Fahrgemeinschaft 2.0
Montag, 1. August 2011Quo vadis, Fahrgemeinschaft?
Laut einschlägiger Studien verbringen die rund 42 Mio. in Deutschland zugelassenen Pkw durchschnittlich 90% ihrer „Lebenszeit“ im Tiefschlaf, d.h. ungenutzt. Dazu kommt, dass im Schnitt pro Fahrt nur ein bis zwei Personen – in Städten meist nur eine – in einem Auto sitzen. Die bessere Auslastung des eigenen Fahrzeugs bietet deutliches Potenzial Geld zu sparen und dabei die Umwelt zu schonen.
Es existieren bereits verschiedene Ansätze, in diesem Bereich Effizienzen zu heben. Car-Sharing-Modelle setzen beispielsweise je nach Ausrichtung auf eine Erhöhung des Nutzungsgrades eines Fahrzeugs, oder eben darauf, mehr Menschen mit einer Fahrt von A nach B zu transportieren (s. Günstig und Entspannt in die Ferien).
Fahrgemeinschaften heute
Klassische Anbieter von Mitfahrgelegenheiten bieten Fahrern und Mitfahrern eine Plattform, um Strecken und Zeiten miteinander abzustimmen. Das System funktioniert ganz ordentlich, wenn man einen gewissen Vorlauf miteinkalkuliert. Auch Schreckensgeschichten wie die bewusste Überbelegung des Wagens durch Fahrer, um in jedem Fall das Fahrzeug „vollzukriegen“ halten kaum jemanden von dieser – tendenziell bei jüngeren Mitfahrern beliebten – Reiseform ab. Denn günstiger lässt es sich kaum reisen. So kostet beispielsweise die Strecke Berlin-Hamburg auf mitfahrgelegenheit.de um die 12 Euro. Dieselbe Fahrt im EC der Deutschen Bahn kostet stolze 56 Euro, also rund das Fünffache.
Großes Minus ist allerdings das nicht vorhandene Angebot an kurzen, vor allem innerstädtischen, Strecken. Insbesondere wenn diese spontan gefahren werden, also etwa die Fahrt zum Badesee, stößt dieses System an seine Grenzen.
Fahrgemeinschaft 2.0: There’s a new cat in town!
Das Start-Up flinc – offiziell am Montag letzter Woche gestartet – könnte das heutige System der Bildung von Fahrgemeinschaften „von innen heraus revolutionieren“ (J.A. Schumpeter). Zumindest aber hat es das Potenzial, den klassischen Anbietern von Mitfahrmöglichkeiten gehörig das Leben schwer zu machen.
Flinc setzt auf eine vollautomatische Mitfahr-Vermittlung in Echtzeit, inklusive einer Integration in das Navi des Fahrers. Das System soll dank eines intelligenten Routenmatchings insbesondere auch bei Spontanfahrten bzw. auf Kurzstrecken funktionieren. Besonderes Schmankerl: Kombiniert wird das Ganze mit einem Mobilitätsnetzwerk bestehend aus Kollegen, Bekannten und Freundes-Freunden. Flinc lässt sich über flinc.org/de und eine iPhone- sowie iPad-App nutzen. Besitzer der Navigationssoftware Navigon können sich freuen: Das Tool integriert sich in die Software und führt automatisch zum Mitfahrer. Der bezahlt die mitgefahrene Strecke dann in bar beim Fahrer.
Fazit
Prinzipiell eine prima Sache, da wir den „Kreis der Mobilen“ umweltschonend und günstig vergrößern. Insbesondere der Kurzstreckenaspekt, sowie die Dynamik des vollautomatischen Vermittlungssystems machen flinc zu einem potenziellen Archetyp der Fahrgemeinschaft 2.0! Abzuwarten bleibt, ob eine kritische Anzahl an Nutzern gewonnen werden kann. Denn diese wird gebraucht, damit das spontane Sich-Verabreden reibungslos funktioniert.

























